Die Grundproblematik die ich sehe, ist folgende: Die Preise für Internetanschlüsse haben sich kontinuierlich nach unten entwickelt, die Leistungsfähigkeit beim Endanwender/Kunden (Bandbreite) deutlich nach oben ebenso die Nutzungsintensität durch eine Vielzahl an neuen Anwendungsmöglichkeiten (HD-Streaming, VoIP, Social Networks inkl. dem Teilen von Inhalten, Cloud-Anwendungen, Online-Vertrieb von Software/Games usw. usf.).
Ergo sum, die Belastung der Backbones hat deutlich zugenommen. Ein Teil wird sicherlich dadurch kompensiert, das Technologien für den Ausbau der Backbones auch günstiger geworden sind aber vermutlich nicht im selben Umfang wie die Zunahme der Nutzungsintensität.
Ist eigentlich ähnlich wie mit Auto und Straßenverkehr. Der Kaufpreis für das Auto ( = Internetanschluss) gibt Dir a) Mobiltität als Grundleistung und b) je nach Art das Autos und den Möglichkeiten Deiner Brieftasche bestimmst Du dessen Leistungsfähigkeit. Um aber von A nach B zu kommen, fallen seperat verbrauchsabhängige Kosten (Kraftstoff usw.) an. Die Zeit von A nach B wird aber insgesamt durch Leistungsfähigkeit des Autos, individuellem Fahrstil und last but least dem Ausbau des Straßennetzes bedingt.
Der Porsche mit 250 PS nutzt die also nix, wenn die Autobahn verstopft ist. Wer bezahlt den Straßenausbau? Yepp, der Autofahrer bzw. Bürger allgemein durch Steuern und Maut, teilweise verbrauchsabhängig teilweise pauschal.
Das Problem der Telkos insbesondere der Telekom ist nun offensichtlich, dass man es in der Vergangenheit verabsäumt hat, Preismodelle bzw. Geschäftsmodelle zu entwickeln, die der Entwicklung des Nutzungsverhaltens der Kunden Rechnung tragen. Stattdessen wurde unbeirrt über Preiskampf und Flatrates konkurriert. Scheinbar ist die Mischkalkulation nun an ihre Grenzen gekommen (notwendiger Ausbau der Backbones vs. sinkende Einnahmen durch Preiskämpfe).
M.E. wird generell (nicht nur in der Telko-Branche) zu oft über den Preis konkurriert andererseits Qualität und höherer Preis von den Kunden nur eingeschränkt akzeptiert. Das setzt eine üble Spirale in Gang. Beispiel: nimmt der Kunde die fachliche Beratung im Fachgeschäft in Anspruch und kauft dann beim Discounter, ist die Folge, dass auch die Qualität im Fachgeschäft sinkt mangels Umsatz. Typisches Sympthom dafür die Mobilfunk-Reseller: ich will die Qualität eines D-Netzes zum Discounterpreis, Folge: verstopfte/überfüllte Nodes, weil die Mobilfunkbetreiber daran weniger verdienen als mit den eigenen Tarifen.
Schuld an dieser Fehlentwicklung sind m.E. alle, Unternehmen, Politik und Kunden. Z.B. Unternehmen -> ruinöser Preiskampf -> Politik -> Beförderung von Lohndumping-Modellen, welche noch niedrigere Preise ermöglicht -> zwingt die Kunden nur auf den Preis zu schauen, weil nur wenig Einkommen verfügbar ist.