Daß ich abschwächende Worte wie könnte, würde usw benutze, liegt daran, daß ich mich vorsichtig ausdrücke, nicht etwa wegen Angst, sondern um meine Ansicht nicht als die absolute Wahrheit darzustellen -- auch wenn ich von ihr sehr überzeugt bin.
Ich schreibe und wittere nicht gegen alles. Aber bestimmte Sachen kennt man schon, entweder indirekt aus der Geschichte, oder aus eigener Erfahrung. Möglicherweise bin ich schon viel mehr herumgekommen als viele andere Teilnehmer - nicht nur als Turist sondern als Bewohner - und nach einigen Malen erkennt man da doch verschiedene Vorgänge/Abläufe (selbst an sehr unterschiedlichen Orten) immer wieder ähnlich ablaufend, und 'weiß' daher schon was am Ende passiert. Gerade weil Deutschland im Vergleich noch nicht so unrechtmäßig ist, aber mit der Zeit doch alles in Verfall gerät, hört und sieht man in den Medien jetzt doch mehr und mehr Entwicklungen, die es dort vielleicht bisher noch nicht gab, die man aber schon von woanders her kennt ...
Ich würde die Welt gerne weniger realistisch und sehr positiv sehen. Ist sie aber nicht. Das beste was man machen kann ist a) zu wissen was es 'gibt'; b) wachsam zu sein; c) nicht zu viel solcher Entwicklungen tolerieren, d. nicht denken, sowas ist ja bei uns unmoeglich. Ein Forum ist gut zu lernen, das braucht nicht gerade fachhochschulabsolventenengstirnig zu sein. Umso eklatanter, 'unwahrscheinlicher' oder 'störender' Vorfälle/Entwicklungen sind, desto mehr hat man bisher verpaßt und umso dringender muß man über sie Bescheid wissen.
Dieser Thread ist über Online-Untersuchungen, wobei es um neue Gesetze, deren (zweifelhafte) Notwendigkeit, Begründung, Mißbrauch geht. Dabei ist die Frage aufgetreten, was stns des Staates 'machbar' ist und womit man rechnen muß. Meine Meinung dazu, alles.
Die Situation in Frz-Guyana nehme ich als konkretes Beispiel, schon damit niemand sagt, meine Meinung sei ja völlig theoretisch/illusorisch etc. , ich könnte ebensogut auch Vorfälle in Afrika oder Brasilien nehmen. Hier ging es darum, womit man in Deutschland rechnen muß. Deutschland ist vielleicht noch nicht so dekadent wie Frankreich, aber immerhin ist beides innerhalb der Europäischen Union, wo alle möglichen Rechte hochlobbesungen und 'gesichert' seien -- in der Praxis sieht es jedoch anders aus.
Um also wieder aufs Thema im engeren Sinne zurückzukommen: rechnen muß man mit allem; machen kann der Staat was er will - auch als 'Rechtsstaat', nicht minderer als Frankreich oder die EU. Wichtig ist, ob er es macht oder nicht. Gesetze wie vorliegendes, einschließlich der an den Haaren herbeigezogenen und auch ansonsten für die Bürger wenig relevante Begründung wegen Terrorismus.
Ich selbst lebe zwar nicht in Deutschland und bin von dem Gesetz nicht direkt betroffen (?), aber in der EU, und ein Verfall der Rechtssicherheit der einzelnen Staaten geht mit dem ihr insgesamt einher und umgekehrt. Man kann sich nicht nur um Dekadenz kümmern wenn man davon unmittelbar betroffen ist.
Noch zu deiner Frage nach meiner Situation: ich bin früher viel gereist und habe überall gelebt, dadurch die Welt in vielen Aspekten gut kennengelernt, dadurch auch Deutschland/Europa anders 'gesehen' und beurteilt. Als meine Mutter starb, war ich seit einiger Zeit in Brasilien, habe dann unseren Kram dorthin mitgenommen, mit Computern gearbeitet, was allerdings wirtschaftlich immer dürftiger wurde. Wie früher, bin ich dann mal wieder gereist, hier in Frz-Guyana erhalte ich (wenn auch erst mit ganz erheblichen Schwierigkeiten) zumindest Unterstützung, ich repariere auch Computer, aber hier ist ebenfalls ein pleites Loch.
Insbesondere aber habe ich auch hier viel gelernt, und mal wieder gesehen, daß die in Europa / Frankreich so hochlobbesungenen Rechte und Gesetze ganz wertlos sind. In der Praxis ist etwa die Rechtssicherheit in Brasilien viel besser - mehrmals als mir Strom oder Wasser abgedreht wurde, hatte ich da noch am selben Tag eine einstweilige Verfügung. Gegenwärtig würde ich auch eher nach Brasilien als nach Deutschland zurückkehren, Europa ist dagegen für mich eine Bananenrepublik.
Ich gönne es aufrichtig den Teilnehmern, irgendwo bei einer großen Firma in der Informatik zu arbeiten, und im Übrigen die Augen zuzumachen was so alles passiert. Aber vorsicht, nichts ist tabu, ganze Firmen, sogar Staaten (früherer Ostblock) werden ganz plötzlich abgewickelt oder umgewurstelt. Vorher treu gewesen sein, war da ganz umsonst. Wenn du dann mit 40 auf der Straße sitzt, fragt keiner mehr danach, und beginnst du vielleicht die Fürsorge zu würdigen, oder die Armensuppe, die zuvor im Milieu der Firma als Sonstwas (Kommunismus, Parasitismus usw) abgestempelt wurde und wo du damals mitsingen mußtest.
Aber Vorsicht; selbst diese Sicherheit kann plötzlich abgeschafft werden. Plötzlich bist du 40 oder 50, der Staat gibt dir kein Geld, kein Essen, keine Wohnung, kein Trinkwasser ... Willkürliche Gesetze, bei denen der Staat sieht, daß die Bevölkerung sie hinnimmt, bereiten auch dafür den Weg.