Anstatt offene Standards zu verwenden, setzt man auf exotische proprietäre Lösungen, damit ja niemand die Möglichkeit hat, Vergleichbares anzubieten. Diese Strategie gibt es übrigens nicht nur im Bereich der Apotheken. Überall, wo es sog. Branchenlösungen gibt, läuft das nach dem gleichen Prinzip.
Ja, genauso ist es. Ich sehe das Problem ja etwas grundlegender Natur. Klar kann man Apotheker als Schubladen-Schubser o.ä. ansehen, aber im Grunde ist das komische A ja wesentlich mehr.
Hier im Thread geht es ja nur um den kleinen Bereich, den man als Kunde wahrnehmen kann. Der Kunde will natürlich alles billig und sofort. Bewertet wird dann die Freundlichkeit und Aufreger sind von Kunden immer gerne gesehen^^
Das Problem ist aber viel, viel größer. Ach, egal.
Ich schreib es einfach hier hin, damit es jeder wahrnehmen kann. Eigentlich ist es ja sowieso so, als ob man auf verlorenem Posten kämpft.
Es geht ja nicht nur um den 'Laden', den manche Apotheker betreiben. Es geht um die Verwaltung, die Kammern, die Verbände, die Vereinsmeierei und das Miteinander.
Hier in der Apotheker-Berufsvertretung ist heute alles voll demokratisch organisiert. Wem aber nutzt das was, wenn einige mit den Billig-Versandapotheken diese alten, guten Strukturen zerstören?
Das was gerade kaputtgeht sind ja die Strukturen, die Deutschland erst zu dem gemacht haben, was wir heute sind. Ohne diese Strukturen ist es vermutlich unmöglich, Europa das zu vermitteln, was uns zu dem gemacht hat, wo wir heute sind. Es geht nicht nur um Wirtschaftswachstum auf Papier und Kennziffersysteme. Es geht auch um die Vermittlung von Wissen von einer Generation an die nächste. Wir Bürger sind ja nicht nur Zahlen und Kredite, sondern haben Wünsche und Bedürfnisse. Die anderen Europäer übrigens auch. Die Inder auch^^
Wenn man sich gegenseitig nur als Konkurrenten betrachtet und sich das Geld abgräbt, dann wird es gar nicht möglich sein, die 'Kammerberufe' auch europaweit einzubinden. Dann braucht man sich - überspitzt gesagt - nur ein Youtube-Video anschauen und macht dann einen Handwerksbetrieb auf. Man braucht erstmal jede Menge junge Leute, die den alten Hasen der verschiedenen Berufsvertretungen unterstützend zur Seite steht.
Wenn man aber als 'Neuer' in ein eingespieltes Team einer Berufsvertretung geht und sagt, man übernimmt den Bereich Internet, dann fragen sich die alten Hasen natürlich auch, ob man noch alle Tassen im Schrank hat, weil die das Internet oft ja gar nicht in deren Arbeitsabläufen haben wollen.
Die alten Hasen arbeiten überall mit Fax.
Schauen Sie sich mal das Chaos an, das alleine bei der Bereitstellung der Daten für die Notdienste angeht.
Einmal Nordrhein
http://www.aknr.de/notdienst/inhalt.php?id=154
Und einmal Baden-Württemberg
http://lak-bw.notdienst-portal.de/
Es ist bei beiden Bundesländern die jeweils identische Software verwendet worden, aber die damit erzeugten Daten werden auf völlig unterschiedliche Weise zur Verfügung gestellt.
Überzeugen Sie sich bei Interesse einfach selbst. Wir haben in Nordrhein diese individuellen Nummern, die man sich relativ bequem auf der aknr-Seite raussuchen kann.
In Baden-Württemberg aber ist das im Vergleich gar nicht so einfach möglich, weil dort diese individuellen Nummern gar nicht so einfach zu finden sind.
Dort muss man sich umständlich im Quellcode des iFrames von deren Seite ein Feld von Hand raussuchen, das apo=NUMMER heisst.
Sowas kann natürlich niemand, denn wir sind ja keine Software-Entwickler, sondern Apotheker^^
Bezüglich der Notdienstanzeige frage ich mich, warum die Kammern uns allen nicht eine einheitliche Möglichkeit bieten, den Plan automatisch abzurufen, und mit einem 0815-Monitor als HTML-Seite darzustellen, aber da will man wohl auch nicht in den Wettbewerb mit Softwareanbietern treten.
Hier im o.g. Notdienst-Beispiel bieten Baden-Württemberg und Nordrhein die XML-Schnittstelle kostenfrei für die Apotheker an, aber Bayern beispielsweise verlangt für die XML-Schnittstelle sogar Geld.
http://www.blak.de/integration-in-die-internetpraesentation.html
So ein Mega-Chaos ist ja sowas von unglaublich groß, daß es schon fast wieder lustig ist^^
Solche Bereiche gehören ja auch alle zu uns Schubladen-Schubsern. Für sowas fehlt aber noch das Fingerspitzengefühl und die Verantwortungs-Bereiche für die Admin.Aufgaben usw...
...das wird in mehr oder weniger allen Berufsvertretungen so sein, und solange das so ist, ist es völlig egal wer in der Politik ganz oben etwas zu sagen hat, weil die großen multinationalen Konzerne einfach viel schneller Kommunizieren können und viel mehr Geld haben, als die angestaubten Berufsvertretungen.
Thema Datenschutz ist ja in Deutschland Ländersache. Warum gibt es denn dann auf einmal eine EU-Richtlinie? Wer ist denn nun in seiner Entscheidungsfindung autark? Ein Bundesland kann es ja nicht sein, wenn es dafür eine EU-Richtlinie gibt, oder? Wer kann denn vorschreiben, daß man eine EU-Richtlinie beachten muß? Da beißt sich ja die Katze in den Schwanz.
Bei solchen Themen braucht man eigentlich Strategie und einen Plan, wie man es umsetzen will....
Hat man aber alleine schon innerhalb Deutschlands nicht, weil es für die Kammerberufe keine Technik-Abteilungen gibt
Es geht nicht nur darum, daß die Apotheke an der Ecke das Aspirin 30% billiger verschicken will, um den Versandhändlern Paroli bieten zu können...
Das mit der Notdienst-Anzeige soll ja nur ein Beispiel sein, damit man das Chaos wahrnehmen kann. Ich finde das schade & es ist auch einfach vergeudete Lebenszeit, wenn alle 16 Bundesländer jeweils einzeln all solchen Kram unabhängig voneinander und einzeln entwickeln sollen. Dann stünden ja sogar die Technik-Abteilungen in Konkurrenz und es ist gar nicht klar, welche Technik sich z.B: für eine Notdienstanzeige durchsetzen wird.
Ob es Bundesländer sind, oder Firmen mit anderen Technik-Standards.
Es macht auf jeden Fall irgendwo Sinn, sich europa/bundesweit auf irgendwelche berufsständischen IT-Standards zu verständigen und diese gemeinsam umzusetzen, damit die Berufspolitik Zeit hat, sich auf die wichtigen Sachen zu konzentrieren.
