SSD vs HDD: Ausfälle

Servus,

da hier zahlreiche Anbieter mit vielen eigenen Servern mitlesen, einmal eine allgemeine Frage: Wie seht ihr die Ausfallwahrscheinlichkeit von einer SSD im Gegensatz zu einer HDD? Wie hoch schätzt ihr einen Totalausfall bei beiden Arten ein, ohne ein eventuell vorhandenes Raid zu bedenken? Bitte unbedingt dazuschreiben, ob von Desktophardware oder besseren Speichermedien die Rede ist.

Dass es dazu genügend Material im Internet gibt, ist klar. Mich würden aber die persönlichen Erfahrungswerte von ein paar Anbietern interessieren. Wie viel Prozent der jeweiligen Speichermedien machen nach welcher Zeit Probleme? Vielleicht möchte jemand ein paar Einblicke in die eigene Statistik geben! :)


MfG Christian
 

[netcup] Felix

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Guten Tag,


vorab sollte geklärt werden von welchen SSDs wir reden und wie viele Daten hier / Zeit geschrieben werden sollen. Bei einer SSD kann man den Ausfall mit ziemlich großer Genauigkeit vorhersagen. Das macht deren Einsatz zumindest planbar. :)

Desktop-SSDs sollten auf keinen Fall in einem Server betrieben werden. Ganz wichtig.


Viele Grüße

Felix
 
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Streng genommen müssten wir wohl tausende SSDs und HDDs betreiben, um statistisch signifikante Daten liefern zu können. Das ist nicht der Fall. Dennoch kann ich sagen dass wir in den letzten Jahren wesentlich mehr defekte HDDs hatten als SSDs, wobei auch bei unserer alten vServer-Generation (HDD) SSDs zum Einsatz kamen, nämlich als Cache. Diese SSDs müssen sehr viele Writes ertragen, dennoch hatten wir hier erst eine Handvoll Defekte, obwohl wir rein für das Caching sehr viel früher sogar noch normale Desktop-SSDs verwendet haben, nachdem wir diese schon in unserem ehemaligen Freehosting in größerer Menge verwendet und unter starker Last nicht kaputt gekriegt hatten.

Bei HDDs haben wir WD Se und RE im Einsatz und die sind uns auch schon schwarmweise gestorben :) Für unsere neuen SSD-Server kommen nur noch Servermodelle zum Einsatz, bei diesen hatten wir seit dem Launch Anfang des Jahres noch keinen einzigen Defekt im Betrieb. Lediglich mal einen Fall von dead on arrival.
 
[netcup] Felix;378261 said:
Bei einer SSD kann man den Ausfall mit ziemlich großer Genauigkeit vorhersagen. Das macht deren Einsatz zumindest planbar. :)
Ich formuliere es einmal anders: Sind bei euch z.B. schon SSD gestorben, die gute SMART-Werte hatten? Bei einer HDD ist das ja nichts Besonderes, die kündigen es selten lange vorher an, wenn überhaupt… :D (hat u.a. Google schon einmal bestätigt)


MfG Christian
 
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[netcup] Felix

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Sind bei euch z.B. schon SSD gestorben, die gute SMART-Werte hatten?
Nach meinem Kenntnisstand nicht. Wenn dann ist das eine absolute Ausnahme.

Privat ist mir allerdings schon eine SSD von jetzt auch nachher abgeraucht. Allerdings war das auch keine SSD die für den Betrieb in einem Server vorgesehen war.

VG Felix
 

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Wie schon gesagt wurde ist die Ausfallrate abhängig von dem Einsatzzweck. Wir haben nach wie vor 80-90 % HDDs im Einsatz bei unserer Servermenge müssten das einige 1000 Festplatten sein. Wir sind damals von Seagate als Hersteller auf WD gewechselt und konnten so die Fehlerquote und damit die Technikerkosten signifikant senken. In 1-2 Monaten tauschen wir ca. 20-30 HDDs aus. Es ist aber schwer hier einen direkten Vergleich zu ziehen, natürlich haben wir pro Monat mehr defekte Festplatten als SSDs, das ist aber dem geschuldet, dass wir schlicht mehr HDDs im Einsatz haben.

Grundsätzlich ist die Lebenserwartung einer SSD abhängig davon wie oft diese beschrieben wurde. Lesen stellt weniger ein Problem dar. Intel gibt bei Ihren Datacenter SSDs in der teuersten Variante an, dass diese für 3x komplettbeschreiben täglich ausgelegt sind um eine optimale Lebenserwartung zu liefern. Andere SSDs haben hier sicher eine deutlich geringere Lebenserwartung. Es ist aber auch davon abhängig, ob ich z.B. eine SSD mit 50 % auslaste, 30 % oder 90 %. Beschreibe ich die SSD 30x täglich komplett oder nur 0,5x. Für die klassischen Webseiten ist es wohl eher so, dass die SSDs zu 0.01 % täglich neu beschrieben werden, das meist dann, wenn Informationen in die Datenbank gespeichert werden wie z.B. bei einem Onlineshop. Auch bei vServern hat Tim sicher nur so wenig Ausfälle von SSDs, weil die SSDs nicht permanent mit neuen Daten befüttert werden sondern die meisten Zugriffe lesender Natur sind z.B. für die Erstellung von Backups. Entsprechend lange ist natürlich die Lebenserwartung. Als Backupstorage würde ich aber SSDs nicht unbedingt einsetzen.

Aktuelles Fallbeispiel: Wir haben einen Kunden, der einen großen SQL Datenbankserver betreibt. Dieser läuft mit 4x 1 TB Samsung 850 Pro SSDs im RAID 10. Gerade im Weihnachtsgeschäft wächst die Datenbank täglich um 20-30 GB. Rechnungen werden in der Datenbank abgelegt, .... Seitdem wir auf SSDs umgestellt haben letzten Winter sind bereits 2 SSDs kaputt gegangen. Die Datenbank an sich ist das Hauptdrehkreuz des Unternehmens, darüber laufen quasi alle Geschäftsprozesse und wird dementsprechend sehr sehr stark beansprucht was gerade die Schreibzyklen angeht.

Also ein pauschales, HDD gehen eher kaputt als SSDs gibt es eigentlich nicht. HDDs sind eben Mechanik, SSDs eben Halbleiterlaufwerke. Preislich sind HDDs immer noch attraktiver als SSDs, wenn es aber nur um eine kleine Datenmenge geht sind SSDs natürlich aufgrund der Leistung eher interessant. Es kommt eben immer auf den Einsatzzweck an ob eine HDD oder eine SSD zu empfehlen ist. Geht es rein um den Preis pro GB, werden HDDs hier sicher noch länger zum Einsatz kommen.
 

Selfy

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[netcup] Felix;378261 said:
Desktop-SSDs sollten auf keinen Fall in einem Server betrieben werden. Ganz wichtig.
Lohnt sich der Kauf von Serverplatten tatsächlich soviel mehr? Nehmen wir zum Beispiel die Evo 850 und 850 Pro. Letztere ist ca. 30% teurer, als die Desktop-Lösung. Kann ich bei der Pro-Version davon ausgehen, dass diese unter vergleichbaren Bedingungen 30% länger läuft?
 

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Die Samsung Pro-Reihe ist meines Wissens keineswegs für den Serverbetrieb gedacht.

Grundsätzlich gibt es, wie Michael schon andeutete, eine Angabe, wie oft eine SSD beschrieben werden kann. Unter anderem dieser Wert ist maßgeblich für die Qualität bzw. Haltbarkeit einer SSD.
 

Selfy

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Ich habe das mal eben verglichen:

Samsung Evo 850 1000GB: 150TB (TBW)
Samsung SM863 960GB: 6160TB (TBW)

Sprich die Server-SSD ist ca. 41x länger haltbar, als die Desktop-Lösung. Der Preis für die Server-Platte ist ungefähr doppelt so hoch wie bei den Desktop-Pendants. Ist der Unterschied wirklich so extrem oder habe ich ihr irgendwas übersehen?
 

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Die SSD Hersteller wie Intel und Samsung kategorisieren Ihre SSDs mittlerweile für verschiedene Einsatzzwecke. Die Server SSDs werden daher kategorisiert in verschiedene Belastbarkeitsstufen (hohe Belastbarkeit, mittlere Belastbarkeit, standard Belastbarkeit). Das wirkt sich unter Anderem auf die Schreib/Leseraten und die IOPS aus. Wenn du dir die SM863 anschaust, wird dir auffallen, dass diese bei dem Lese-Wert 97.000 IOPS angibt, allerdings beim Schreiben Wert nur 28.000 IOPS. Das ist im Wesentlichen der Qualität der eingesetzten Speicherbausteine geschuldet bzw. der Art und Weise wie diese aufgebaut sind. Bei den Rechenzentrum SSDs kommt NAND Flash zum Einsatz. Die Datenspeicherung kann beim Einsatz von NAND Speicherbausteinen mit unterschiedlichen Spannungsniveaus erfolgen. Je nach dem welches Spannungsniveau man wählt kann dies zu einer höheren Robustheit der SSD oder zu einer effizienteren Ausnutzung der Chips / höheren Speicherdichte führen. Je nach dem ist auch eine Kombination der Spannungsarten innerhalb der SSD möglich die eine Unterscheidung der SSDs in Belastbarkeiten zulässt. - https://de.wikipedia.org/wiki/NAND-Flash - da kann man noch etwas mehr dazu lesen. Die 3 Kategorisierungen kann man schon etwas im Bereich "Nachteile" herauslesen.

Da wir momentan an einem Intel Partnerstatus arbeiten, kann ich etwas tiefer auf Intel SSDs eingehen. Intel Kategorisiert die Server SSD Reihen in 3 Bezeichnungen.

hohe Belastbarkeit - 3700 Serie
mittlere Belastbarkeit - 3600 Serie
standard Belastbarkeit - 3500 Serie

Es kommt also in Zukunft beim Design von Serversystemen noch mehr darauf an, dass man seine Anwendungen und seine Einsatzzwecke kennt und einschätzen kann, wo die Schwerpunkte sind. Bei den Server SSD Baureihen sprechen wir aber von Enterprise Anforderungen die eigentlich auf 90 % unserer Kunden nicht zutreffen. Für den Teamspeak Server, den Gameserver oder den Shop mit 500 Besuchern am Tag reichen ganz normale SSDs - Samsung Pro / Kingston KC - immer noch einwandfrei aus. Wir sprechen hier eher von Anwendungsfällen wie Terminal Server Cluster auf zentralen Datenstorages innerhalb eines hochverfügbaren Cluster Verbunds wo 50 Mitarbeiter gleichzeitig auf die Systeme zugreifen oder große Datenbanksysteme wo es auf jede Millisekunde Zugriffszeit ankommt. Bei diesen Systemen spielt dann auch der Kostenfaktor keine sehr große Rolle.
 
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